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Verkehrsteilnahme und Medikamente PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Klaus Zizmann   
Samstag, den 12. Januar 2013 um 14:26 Uhr

Winterszeit ist Erkältungszeit, das ist bekannt. Nicht bekannt ist aber vielen, dass Medikamenteneinnahme oft nicht mit einer sicheren Verkehrsteilnahme vereinbar ist. Schon ohne eine Medikamenteneinnahme ist Auto- oder Fahrradfahren mit einer Grippeerkrankung gefährlich. Verkehrsmediziner warnen seit Jahren, dass eine Grippe hinterm Lenkrad tödliche Folgen haben kann.

Bei einem Niesser beispielsweise oder einem Hustenanfall, bei dem sich reflexartig die Augen schließen, kann der Autofahrer in eine lebensbedrohliche Situation geraten. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h fährt der Autofahrer 20 m im Blindflug. Die möglichen Folgen kann sich jeder vorstellen. Bei Fieber, einer häufigen Begleiterscheinung der Grippe, wird die Reaktionsfähigkeit um mehr als das Doppelte verlängert. Bei Schnupfen und bei vermehrtem Augentränen verschlechtert sich die Sehfähigkeit, sodass Auffahrunfälle häufiger vorkommen. Dann greift man eben zu einem Arzneimittel. Es ist ein Irrglaube, anzunehmen, dass Medikamente dann immer die Fahrtauglichkeit erhöhen. Oft besitzen Grippemittel eine dämpfende Wirkung auf das Gehirn und schränken die Reaktionsfähigkeit ein. Außerdem enthalten viele Grippemittel Alkohol.

Aber auch andere Medikamente können die Fahrtüchtigkeit einschränken. Leider gibt es keine direkten Zahlen, statistisch ist nur belegt, dass bei Unfällen ca. 3-10 % durch Arzneimittel verschuldet oder mitverschuldet sind. Da die Erfassung äußerst schwierig ist, gehen andere Mediziner davon aus, dass jeder 4. Unfall direkt oder indirekt auf Arzneimittel zurückzuführen ist.

Schlaf oder Beruhigungsmittel oder Antidepressiva erhöhen das Unfallrisiko bis auf das Fünffache! Bei einer Studie hat man festgestellt, dass dieses Arzneimittel am häufigsten von allen Arzneimitteln bei verkehrsauffälligen Fahrern gefunden wurde. Sie werden oft zur Bekämpfung von Durchschlafstörungen und bei Angstzuständen eingesetzt und können zu einer deutlichen Verminderung der Reaktionsfähigkeit oder sogar zu Benommenheit und Verwirrtheit führen. Für die meisten dieser Mittel gilt, dass eine Teilnahme am Straßenverkehr erst nach längerer erfolgreicher medikamentöser Einstellung wieder in Erwägung gezogen werden kann.

Zuckerkrankheit oder Diabetes ist eine weit verbreitete Krankheit und viele Verkehrsteilnehmer gehen völlig problemlos damit um. Aber nur, wenn sie gut eingestellt sind und ihre Medikamente regelmäßig einnehmen. Die größte Gefahr lauert in der Unterzuckerung. Diese kann viele Symptome haben. Zittern Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Doppelsehen, hoher Blutdruck, die Folgen können sogar bis zur Bewusstlosigkeit führen. Das Päckchen Traubenzucker unter der Konsole als erste Hilfe sollte deshalb immer dabei sein.

Die Einnahme von Medikamenten ist nicht grundsätzlich damit verbunden, dass man am Straßenverkehr nicht mehr teilnehmen kann, sonst wären unsere Straßen leer. Viele ermöglichen eine Teilnahme erst. Man sollte aber darauf achten, welche Nebenwirkungen Medikamente haben können. Der Beipackzettel des Medikamentes ist oft schon eine Hilfe und bietet deutliche Hinweise. Am besten aber ist hier einmal dem Werbeslogan “ Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker“ zu folgen. So sind sie auf der sicheren Seite. Vielleicht sollten sie auch einmal mit ihrem Arzt abklären, ob alle Medikamente, die sie einnehmen noch notwendig sind. Aber auch hier gilt es vorsichtig zu sein. Das plötzliche Absetzen von Medikamenten kann ebenso gefährlich sein wie die falsche Einnahme. Es kann nötig werden hier einige Tage auf das Autofahren zu verzichten, denn jeder Körper ist individuell und braucht einige Tage um sich auf die Veränderungen einzustellen.