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"Eklatanter Rückschritt in Sachen Sicherheit" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: HTZ   
Samstag, den 19. März 2011 um 23:53 Uhr

Verkehrspolitik: Verkehrswacht gegen Kreisverkehr am Med-Center / Interview mit Klaus Zizmann

Die Stadt plant einen weiteren Kreisverkehr am Med-Center, also an der vielbefahrenen Kreuzung Reilinger /Ring-/Obere Hauptstraße und Südring. Mit dem Kreisel sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: attraktiverer Stadteingang und mehr Verkehrssicherheit. Das Vorhaben stößt allerdings nicht nur auf Gegenliebe. Die Verkehrswacht spricht sich gerade wegen der Verkehrssicherheit gegen einen Kreisverkehr am Med-Center aus. Wir sprachen mit Vorstandsmitglied Klaus Zizmann, von 1974 bis 2001 Leiter des Hockenheimer Polizeirevieres, über die Gründe für die Ablehnung.

Herr Zizmann, die Verkehrswacht wendet sich mit Nachdruck gegen einen Kreisel am Med-Center. Warum?

Klaus Zizmann: Verkehrskreisel sind eine hervorragende Einrichtung zur Entflechtung und Regelung des Verkehrs. Aber nur dort, wo sie angebracht sind. Ein Kreisel am Med-Center hat jedoch neben den enormen Kosten, die auf die Stadt zukommen, große Nachteile.

Wie im Gemeinderat von der Verwaltung vorgetragen, würde er die Geschwindigkeit reduzieren. Das ist doch kein Nachteil?

Zizmann: Wenn ich mir den Plan ansehe, würde mit einem Kreisel genau das Gegenteil der beabsichtigten Geschwindigkeitsreduzierung eintreten. Wer von Reilingen kommt, kann fast geradeaus in Richtung Innenstadt fahren. Die Ampel bremst den Verkehr weit mehr als ein Kreisverkehr in der geplanten Form. Außerdem könnten größere Fahrzeuge nicht nach rechts in die Ringstraße einbiegen. Sie müssten eine Runde um den Kreisel drehen. Schwierigkeiten beim Rangieren sind da vorhersehbar und damit auch Verkehrsgefährdungen.

Aber es gibt ja nicht nur motorisierte Verkehrsteilnehmer.

Zizmann: Natürlich nicht. Aber eines ist den meisten doch gemeinsam: Sie wollen so schnell wie möglich ans Ziel kommen. Der vorgesehene Kreisverkehr ist, zumindest am Ast Südring, mit weiteren Wegen für Fußgänger verbunden. Eine weit abgesetzte Querungshilfe bedeutet einen Umweg und würde unserer Ansicht nach das Überqueren der Fahrbahn an ungesicherten Stellen geradezu provozieren. Davon einmal abgesehen: Auf dem mir vorliegenden Plan ist ausgerechnet an der Oberen Hauptstraße gar keine Querungshilfe vorgesehen und dies ist ein großer Nachteil für die Fußgänger.

Sie sind auch Seniorenberater der Verkehrswacht. Welche Auswirkungen hätte eine Kreisel auf ältere, in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen?

Zizmann: Bisher gibt es dort einen durch eine Ampel gesicherten Übergang für Fußgänger. Dies ist besonders wichtig für behinderte Menschen mit Rollator oder im Rollstuhl. Bei einem Kreisel mit Querungshilfe müssten diese Menschen nun selbst entscheiden, wann sie den Fußgängerüberweg benutzen. Kinder und ältere Leute sind in dieser Hinsicht weniger entscheidungsfreudig, wie die Praxis zeigt.Außerdem brauchen sie länger, um die Straße zu überqueren. Hier lauern große Gefahren. Eigentlich müssten die Behindertenvertreter Sturm laufen gegen einen Kreisel am Med-Center, der einen eklatanten Rückschritt in der Verkehrssicherheit bedeuten würde.

Gibt es Vorgaben, an denen sich Ihre ablehnende Haltung orientiert?

Zizmann: Zunächst einmal sind unsere Erfahrungen und Einschätzungen der dortigen Verkehrssituation die Grundlagen für unsere Position. Und da stehen wir nicht alleine. In den vom ADAC herausgegebenen Richtlinien für Verkehrskreisel heißt es: "Errichten sie keinen Kreisverkehr in der Nähe von schutzbedürftigen Einrichtungen wie etwa Seniorenheimen, da hier Querungshilfen besonderen Sicherheitsanforderungen genügen müssen." Vor kurzem hat auch eine Sitzung der Verkehrstagfahrt mit Vertretern der Polizei, Verkehrswacht und Vertretern des Straßenbauamtes stattgefunden. Auch dieses Gremium hat den Bau eines Verkehrskreisels an dieser Stelle abgelehnt.

Wie steht die Verkehrswacht grundsätzlich zu Kreiseln in Hockenheim?

Zizmann: Wie bereits oben ausführlich erwähnt, sind Verkehrskreise grundsätzlich l eine sehr gute Möglichkeit zur Entflechtung und Regelung des Verkehrs. Hervorragende Beispiele hierfür sind die Kreisel an der Reilinger Straße/Hubäckerring und an der Nordanbindung. Auch die Kreisverkehre am Südring machen Sinn.

Gibt es Standorte, an denen sich die Verkehrswacht einen Kreisel wünscht?

Zizmann: Ja, an der Talhauskreuzung. Dort ist es bei Ausfällen der Ampel schon zu schweren, auch tödlichen Unfällen gekommen. Da würde ein Verkehrskreisel Sinn machen - ganz im Gegensatz zum Med-Center - und man könnte zusätzlich die 1. Industriestraße sinnvoll an das Straßennetz anbinden.

Schwetzinger Zeitung
Von unserem Redaktionsmitglied Hans Schuppel
18. März 2011

Originalartikel: http://www.morgenweb.de/region/hockenheim/20110318_mmm0000001386094.html

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 20. März 2011 um 00:05 Uhr