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Verkehrsberuhigte Zone - Zeichen 325 StVO PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: HTZ   
Sonntag, den 01. Oktober 2006 um 09:00 Uhr

„Geh draußen noch ein bisschen spielen!“ Immer weniger Mütter konnten in den vergangenen Jahrzehnten Ihre kleinen Kinder hierzu ermuntern - zu groß waren die Gefahren des Straßenverkehrs, der sich oft unmittelbar vor der Haustür abspielte.

Das sollte nach Vorstellung der Städtebauplaner bei der Konzeption und Realisierung neuer Baugebiete anders werden. Den dort wohnenden Menschen wollte man mit schmalen Wohnwegen und geringem, langsam fahrenden Verkehr wieder das verschaffen, was bei der Bebauung älterer Wohngebiete verloren gegangen zu sein schien: das Gefühl von Geborgenheit und einer gewissen Sicherheit gegenüber den Gefahren des „Molochs“ Verkehr.

Hier – im so genannten „verkehrsberuhigten Bereich“ – sollten die sonst bevorrechtigten motorisierten Fahrzeuge ihre Dominanz verlieren. Auch das Hockenheimer Neubaugebiet „Biblis“ hat deshalb bei vielen Bauwilligen eine große Akzeptanz erfahren. „Die meisten Familien hier haben dieses Baugebiet als Heimat ausgewählt, um die Kinder ohne Sorge draußen spielen zu lassen“ erklären betroffene Anlieger in der Neubausiedlung, wo man tatsächlich noch das sehen und erleben kann, was sich die Politiker so gerne häufiger wünschen: Kinder.

Leider – so beklagten sich jetzt die jungen Eltern in einer Zuschrift an Rudolf Berger, den Vorsitzenden der Verkehrswacht Hockenheim – ist es mit dem gefahrlosen Spielen in der dort eingerichteten „verkehrsberuhigten Zone“ nicht immer so, wie man es sich vorgestellt hat. Nicht selten werden dort Fahrzeugfahrer beobachtet, die sich nicht an das halten, was eigentlich gilt: Schrittgeschwindigkeit. Aber was ist das genau? Fest steht, dass dieser Begriff auch unter Verkehrsjuristen nicht einheitlich interpretiert wird. Manche Obergerichte sprechen von einer Geschwindigkeit von 4-7 km/h (Oberlandesgerichte Köln und Stuttgart), andere ziehen die Grenze bei 10 km/h (OLG Hamm), wieder andere sind noch unpräziser.

Was die Sache so schwierig macht: Der Tacho zeigt auch 10 km/h noch nicht zuverlässig an. Eine kleine Hilfestellung könnte das Standgas im 1.Gang sein: es entspricht einer Geschwindigkeit von 8-9 km/h. Außer diesem strikten Tempolimit, so die Hinweise der Verkehrswacht, gibt es aber noch weitere Regeln im „verkehrsberuhigten Bereich“ zu beachten: Fußgänger können die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen, Kinderspiele sind überall erlaubt. Die Fahrzeugführer dürfen die Fußgänger weder gefährden noch behindern, wenn nötig, müssen sie warten.

Die Fußgänger wiederum dürfen den Fahrverkehr nicht unnötig behindern, auch Autofahrer haben also Rechte. Das Parken ist außerhalb der dafür gekennzeichneten Flächen unzulässig, ausgenommen zum Ein- und Aussteigen und zum Be- und Entladen. Der „verkehrsberuhigte Bereich“ soll also eine Mischverkehrsfläche eigener Art sein und keine Fahrbahn oder Gehweg besitzen - gewünscht ist ein friedliches, verkehrssicheres Nebeneinander. Eine Gefährdung anderer ist auszuschließen.

Aus Unkenntnis immer wieder missachtet wird im übrigen auch eine weitere Regelung: wer den verkehrsberuhigten Bereich verlässt, für den gilt nicht „rechts vor links“, er muss die Vorfahrt des anderen immer beachten - wie bei der Ausfahrt aus einem Grundstück.

Wer sind nun diejenigen, die sich nicht an die geltenden Vorschriften halten? Zum Leidwesen der dortigen Bewohner sind es nicht selten Anlieger aus dem Wohngebiet selbst, die sich über die Geschwindigkeitsbegrenzung hinweg setzen. Weit häufiger aber sind es Lieferanten, Handwerker oder sonstige Fremde, die ungeduldig und bisweilen rücksichtslos durch die engen Wege kurven. Die in dieser Sache um Rat und Hilfestellung eingeschaltete Verkehrswacht – so der Appell des 1.Vorsitzenden – richtet sich in erster Linie an Moral und Gewissen der Fahrzeugführer, das nicht zu übersehende Verkehrszeichen 325 der Straßenverkehrsordnung zu befolgen und sich den kleinsten und schutzwürdigsten Verkehrsteilnehmern gegenüber „als echter Kavalier am Steuer“ zu zeigen.

Das ebenfalls informierte Ordnungsamt hat aber darüber hinaus auch Messungen in Aussicht gestellt, damit uneinsichtige „Missetäter“ gegebenenfalls in Form eines empfindlichen Bußgeldes am Geldbeutel zu spüren bekommen, wenn man das missachtet, was jede Gemeinschaft braucht: die Bereitschaft, geltende Regeln auch einzuhalten.