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Drastische Sanktionen für Drängler im Straßenverkehr PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: HTZ   
Montag, den 20. März 2006 um 09:00 Uhr

Oft kann man noch nicht einmal ihre Autonummer im Rückspiegel erkennen. Das Betätigen der Lichthupe und ein wildes Gestikulieren am Lenkrad gibt zu verstehen: „Ich habe es eilig. Schaff’ Dich weg!“ Die Rede ist von den so genannten Dränglern, die schon manch anderen Verkehrsteilnehmer erst zur Verzweiflung und bisweilen auch zu höchst gefährlichen Aktionen getrieben haben.

Sie sollen jetzt schlechteren Zeiten entgegen sehen. Wer es so eilig hat, dass er meint, sich nicht mehr an die für alle geltenden Verkehrsregeln halten zu müssen, dem droht viel schneller als bisher die „rote Karte“.

Zu dichtes Auffahren bei hohem Tempo kostet jetzt ein Bußgeld bis 250 Euro und kann zu einem dreimonatigen Fahrverbot führen. Im Unterschied zur bisherigen Regelung heißt das: 100 Euro mehr und zusätzlich zwei weitere Monate ohne Führerschein. Hinzu kommen vier Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei.

Das und weitere Sanktionen gegen Verkehrsrowdys - die zum Beispiel Schranken und Warnsignale an Bahnübergängen missachten - sehen Änderungen verkehrsrechtlicher Vorschriften vor, die am 1.5.06 in Kraft getreten sind.

"Angesichts des leider immer häufiger auftretenden rowdyhaften Verhaltens einiger Autofahrer hat der Gesetzgeber hart durchgegriffen, um die vielen vernünftigen Autofahrer zu schützen", erläutert Rudolf Berger, Vorsitzender der Verkehrswacht Hockenheim, die in Kraft getretenen Maßnahmen.

Die Verschärfungen an einigen Stellen des Bußgeldkatalogs sollen "ein deutlich abschreckendes Signal gegen das Drängeln auf Autobahnen" setzen.Die Bußgeld-Staffel reicht von 40 bis 200 Euro im Tempobereich von mehr als 80 bis 130 Stundenkilometern und von 60 bis 250 Euro bei mehr als Tempo 130.

Fahrverbote werden erst bei Geschwindigkeiten über 100 Kilometer die Stunde verhängt. Das Bußgeld errechnet sich aus Geschwindigkeit und Abstand zum vorderen Wagen. Hier die Hinweise der Verkehrswacht: Je größer das Tempo, desto höher die Strafen bei gleichem Abstand. Wer 100 Stundenkilometer fährt und 25 Meter Abstand zum vorderen Fahrzeug hält, hat kein Bußgeld zu befürchten. Verkürzt er den Bremsweg auf 20 Meter, sind 40 Euro fällig. Bei 10 Metern sind es 100 Euro und bei 5 Metern 150 Euro. Erhöht der Autofahrer das Tempo auf 130 Stundenkilometer, hat er bei 20 Metern Abstand 60 Euro zu berappen. Bei 15 Metern sind es bereits 100 Euro und ein Monat Fahrverbot. Bei nur noch 5 Metern Distanz sind 200 Euro plus 3 Monate Fahrverbot fällig. Drängler, die bei diesem geringen Abstand mit 140 oder mehr Stundenkilometern daherkommen, müssen mit dem höchsten Strafmaß von 250 Euro plus 3 Monate Fahrverbot rechnen.

Aber nicht nur das Drängeln, sondern auch bodenloser Leichtsinn wird härter geahndet: Drastische Sanktionen drohen den Autofahrern, die gesperrte Bahnübergänge überqueren, obwohl Blinklichter das Kommen eines Zuges signalisieren. In diesem Fall sind 150 Euro fällig, die Fahrerlaubnis erlischt für einen Monat. Wer sich einen Weg sogar an heruntergelassenen Schranken und Halbschranken vorbei sucht, muss 450 Euro berappen. Das Fahrverbot gilt dann für ein Quartal.

Ferner umfasst der Bußgeldkatalog Maßnahmen gegen unzureichende Fahrzeugausrüstungen. In der Straßenverkehrsordnung ist jetzt nämlich jetzt die Pflicht verankert, sein Fahrzeug an die jeweiligen Wetterverhältnisse anzupassen. Spürbar wird dies für die meisten allerdings erst im kommenden Herbst/Winter. Es betrifft die Sichtverhältnisse bei Nebel ebenso wie das Funktionieren der Scheibenwaschanlage und eine für Schnee und Eis nicht geeignete Bereifung. Wer wegen solcher Mängel von der Polizei aufgegriffen wird, muss 20 Euro zahlen. Und wer deshalb sogar liegen bleibt und den übrigen Straßenverkehr behindert, ist 40 Euro los und kassiert einen Punkt in Flensburg.