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Gehhilfe nicht mit Schubkarre verwechseln PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: HTZ   
Montag, den 29. Februar 2016 um 00:27 Uhr

Verkehrswacht: Workshop „Sicher mobil mit dem Rollator“ erläutert Senioren in St. Christophorus die richtige Handhabung der Gehhilfe in Theorie und Praxis

Von unserem Praktikanten Sascha Balduf

Man lernt eben nie aus: Elisabeth Weiser aus Neulußheim macht diese Erfahrung mit 89 Jahren, als sie zusammen mit ihrem Ehemann den Rollator-Parcours abschreitet, den die Verkehrswacht-Seniorenbeauftragten im Gemeindezentrum St. Christophorus aufgebaut haben. Fazit: "Ich habe heute erfahren, dass mein Rollator eigentlich zu hoch ist und richtig eingestellt werden muss." Das Angebot der Verkehrswacht sei sehr hilfreich gewesen, sagt sie nach der Unterrichtung.

Ob Kassenmodell oder Luxusklasse - der Besitz eines Rollators ist nur die halbe Miete. Wer ihn nicht richtig zu verwenden weiß, riskiert zu stürzen oder durch falsche Handhabung mehr Schaden anzurichten am Körper als zu helfen.

Lehrauftrag für effiziente Nutzung

Den Lehrauftrag für die sichere und effektive Benutzung eines Rollators haben die beiden Seniorenbeauftragten der Verkehrswacht Hockenheim, Peter Herchenhan und Klaus Zizmann, angenommen. Mit ihrem Workshop "Sicher mobil mit dem Rollator" rollen sie durch die Horan-Gemeinden und geben Anleitung für die richtige Benutzung.

St. Christophorus ist die erste Station ihrer Tour. Beim ökumenischen Seniorennachmittag informieren die beiden die zahlreich, teils mit eigenem Rollator, erschienenen Besucher über das Thema Rollatoren und geben nützliche Tipps.

Aufrechter Gang ist wichtig

Klaus Zizmann erläutert in einer Lichtbildpräsentation zuerst theoretisch die wichtigsten Fakten. Wichtig ist, helle, reflektierende Bekleidung zu tragen. Der Rollator sollte seinerseits mit Reflektoren an Vorder- und Rückseite, aber auch rechts- und linksseitig, mit Reflektoren ausgestattet sein. Für zusätzliche Sichtbarkeit sorgen Reflektorbänder der Verkehrswacht.

Für eine ergonomisch korrekte Verwendung der Gehhilfe sollte man darauf achten, dass die Handgriffe auf gleicher Höhe sind, wie die Handgelenke im aufrechten Stand und man sie mit leicht gebeugten Armen gut umfassen kann. "Ein Fehler, den man oft sieht, ist, dass Leute ihren Rollator wie eine Schubkarre vor sich herschieben", erläuterte Zizmann weiter, "richtig ist jedoch, aufrecht im Rollator zu laufen".

Der aufrechte Gang fördere, neben einer Entlastung der Wirbelsäule, auch die Atmung und somit Ausdauer beim Laufen. Die passende Einstellung seines Geräts sollte man unbedingt beim Händler vornehmen lassen, sagen die Experten.

Peter Herchenhan demonstriert, wie man sich mit dem Rollator richtig auf einen Stuhl setzt und den geringen Wendekreis und die Feststellbremse ausnutzt, um das Gerät danach mühelos zu parken. "Die Feststellbremse benutzen Sie alle beim Parken, aber wer von Ihnen hat schon mal die Fahrtbremse benutzt?", fragt Herchenhan - niemand.

Fahrtbremse bislang ungenutzt

"Die Fahrtbremse ist ungemein hilfreich", erläutert er, "selbst beim minimal abschüssigem Untergrund. Lassen Sie sich von Ihrem Rollator nicht unnötig durch die Gegend ziehen!" Wichtige Kriterien, auf die man beim Kauf achten sollte, sind Stabilität, Gewicht, Bereifung und die Handhabung beim Zusammenklappen. Das Gewicht bei Rollatoren bewegt sich zwischen sechs und zwölf Kilogramm. Zizmann erläutert, wie man mit einem Rollator gefahrlos in einen Bus einsteigt, die Verhaltenstipps hat er mit einem Busfahrer entwickelt.

Zwei Vertreter eines Rollatorherstellers und eines Sanitätshauses führen drei Beispielmodelle vor und erläutern deren Funktionsumfang. Den einfachen Rollator in Grundausstattung finanzieren Krankenkassen grundsätzlich voll, er wird über etwa drei Jahren über ein Sanitätshaus geliehen.

Beim eher luxuriösen Modell liege der Fokus eher auf Design und Komfort. Zur Standardausführung gehören inwendig verbaute Bremszüge, besonders leichtes Material, erhöhte Beinfreiheit und eine Ankipp-Hilfe zum Überqueren von Bordsteinkanten.

Als letztes wurde ein Sondermodell für Menschen mit einer körperlichen Behinderung vorgestellt. Die Bremsen dieses Geräts sind einhändig bedienbar, so dass man den Rollator selbst bei einseitiger Lähmung, beispielsweise nach einem Schlaganfall, problemlos benutzen kann.

Im Vorraum ist der kleine Parcours aufgebaut, auf dem neue Rollator-Besitzer die Handhabung üben und "alte Hasen" an ihren Fähigkeiten feilen können. Neben einem Verkehrshütchen-Slalom sind ein Stück unebener Boden, eine Rampe und ein Bordstein simuliert.

Wichtig ist die Lebensqualität

Martina Thomson ist mit ihrer Mutter Maria gekommen, um sich über die Modelle zu informieren: "Meine Mutter hat kürzlich ein Rezept für einen Rollator ausgestellt bekommen. Mir ist es sehr wichtig, dass sie mit ihrer Gehhilfe problemlos am Leben teilnehmen kann. Ein breiter Funktionsumfang und ein geringes Gewicht sind unabdingbar, wenn sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen möchte und in mein Auto muss der Rollator auch passen. Man sollte nicht am falschen Ende sparen, denn was bringt ein Kassenmodell, wenn es meiner Mutter keine wirkliche Bereicherung in der Lebensqualität bieten kann?"

Zum Schluss können die Besucher ihre Rollatoren von den Fachleuten auf Mängel untersuchen und von der Verkehrswacht mit Reflektoren ausstatten lassen - sicher ein erster Gewinn für mehr Sicherheit.

© Hockenheimer Tageszeitung, Samstag, 27.02.2016

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 08. Mai 2016 um 19:54 Uhr